Know-Center @ Trendit Digital World Summit: Wie KI die Welt verändert

Die Themen am Trendit Digital World Summit: Benchmarks im Optimieren der Prozess-Effizienz und der Entwicklung von Smart Products sowie Daten als Ressourcen. Know-Center-Experte Wolgang Kienreich sprach über das Potenzial von Big Data und Künstlicher Intelligenz.

Oliver Zeisberger: Wir reden so oft von Künstlicher Intelligenz. Wie wird diese eigentlich definiert?

Wolfgang Kienreich: Das ist eigentlich eine philosophische Frage, die sich ExpertInnen schon seit Jahrzehnten stellen. In unserem Zusammenhang ist die assistive Funktion von Künstlicher Intelligenz wichtig. Wenn es uns gelingt, Teilbereiche menschlichen Handelns, menschlicher Entscheidungsfindung und menschlicher Kreativität durch Maschinen zu unterstützen, das Arbeitsverhältnis zwischen Menschen und Maschine neu zu definieren, dann haben wir bereits ein Stück Künstlicher Intelligenz geschaffen. Diese Vorstellung von KI widerspricht natürlich der, die viele von uns aus Filmen kennen – nämlich, dass Künstliche Intelligenzen autonom agierende, menschenähnliche Wesen sind. Sie ist aber ganz nah an der Realität, denn KI ist bereits dabei ist, unsere Arbeitswelt grundlegend zu verändern.

Wird Künstliche Intelligenz irgendwann auch kreativ werden?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zuerst über die Charakteristika menschlicher Kreativität klar werden. Ein Beispiel: Computer sind sehr gut darin, aus großen Informationsmengen Übereinstimmungen zu ermitteln, ein Faktum, auf dem der Erfolg von Suchmaschinen wie Google basiert. Wenn wir eine Idee haben und diese als Text in eine Suchmaschine eingeben, erhalten wir als erste Treffer ähnliche Texte und damit vergleichbare Ideen. Das würden viele nicht als besonders kreativ bewerten. Was geschieht aber, wenn wir ganz ans Ende der Trefferliste schauen, die Liste von unten nach oben lesen? Dann erhalten wir Ergebnisse, die möglichst weit von unserer Idee entfernt sind, und damit eigentlich Gedankensprünge, Inspirationen, Dinge, die viele durchaus als Bestandteil von Kreativität betrachten würden. Maschinen können bereits Kreativität unterstützen, man muss ihnen aber vorher erklären, wie der Aspekt von Kreativität funktioniert, um den sie sich kümmern sollen. Und diese Art von Kreativität muss keineswegs so ablaufen, wie die des menschlichen Gehirns. 

Effizienz ist der Treiber für viele neue Entwicklungen. Und diese wird immer stärker durch die Digitalisierung unterstützt.

Wenn wir über Künstliche Intelligenz sprechen, dürfen wir auf den regionalen Kontext nicht vergessen. Nehmen wir zum Beispiel die immer beliebter werdenden  Fahrradbotendienste her. Viele lassen sich ihr Essen am Wochenende ja zustellen, dafür gibt es digitale Apps, die Daten schon sehr gut verarbeiten. In größeren europäischen Städten funktioniert das hervorragend. Versuchen Sie aber, diesen Ansatz im mittleren Westen der USA umzusetzen – der Bote müsste dort schon ordentlich strampeln, um das Essen zeitgerecht zuzustellen. Es gibt eben viele Modelle, die an gewissen Orten gut funktionieren, an anderen hingegen überhaupt nicht. 

Wie beurteilen Sie den Grad der Digitalisierung in der Steiermark?

Was die Forschung im Allgemeinen und einzelne innovative Vorreiter betrifft, sind wir in der Steiermark schon sehr weit und brauchen den internationalen Vergleich nicht zu scheuen.  Generell ist es aber so, dass oft überschätzt wird, wie weit die Digitalisierung insgesamt fortgeschritten ist. Ein Beispiel: Es klingt logisch, dass man Daten, die beim Produzieren eines Gegenstandes entstehen, auch verwerten sollte, um die Qualität der Produktion zu beobachten – und gegebenenfalls zu verbessern. Viele gehen davon aus, dass das längst passiert – tut es aber nicht. Daten zur Optimierung von Produktionsprozessen heranzuziehen ist in Wirklichkeit noch immer eine aufregende Neuerung. Und den nächsten Schritt, nämlich die vorhandenen Daten zu verwenden, um auf ganz neuen Wegen Werte zu schaffen, hat noch kaum ein Unternehmen in der Steiermark erfolgreich getan.   

Eine unserer wesentlichen Aufgaben als Kompetenzzentrum liegt darin, Menschen auszubilden, die auch international gesehen kompetent sind. Da sind wir bereits auf dem besten Weg. Die Informatikfakultät der TU Graz wurde soeben unter die Top 90 im renommierten Shanghai Ranking gereiht. Meine kleinen Forschungsgruppen stehen bei wissenschaftlichen Wettbewerben auf dem Stockerl, zusammen mit Gruppen aus den USA, die von Google und IBM unterstützt werden. Der Unterschied: Viele andere kommerzialisieren und vermarkten besser. Oder zumindest sichtbarer. Unsere Kernkompetenz in Europa ist die hochtechnologische, hochautomatisierte Fertigung komplexer Güter, Stichwort Deutsche Ingenieurskunst. Es hält sich in vielen Köpfen die Vorstellung, dass es damit vorbei ist und die Massenproduktion nun in Asien passiert. In Wahrheit wurde so manche Produktion ausgelagert – und still und heimlich zurückgeholt. Weil beispielsweise umweltgerecht produziert werden sollte, oder weil der Markt Variantenvielfalt bis hin zur Einzelstückfertigung verlang. Beides sind Dinge, die wir in der Steiermark gut können – und deshalb werden sie auch hier gemacht.

Big Data wird oft mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht. Wie gut funktioniert diese Symbiose bereits? 

Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Technologie zum Thema KI hätten. Es gibt auch die großen Datenmengen, die Frage ist aber immer, wem diese Datenmengen zur Verfügung stehen. Wer die Daten besitzt, kann seine KI-Systeme entsprechend lernen lassen, wer sie nicht hat, eben nicht. Ein weiterer Punkt: Datenmengen werden mit Algorithmen verarbeitet, und oft wird die große Innovation in der KI in den Algorithmen gesehen, Stichwort Deep Learning. Allerdings existieren diese Algorithmen bereits seit 10, 20, 30 Jahren. Was neu ist, sind Daten in großen Mengen, um sie zu füttern, und die bezahlbare Rechenleistung, sie auszuführen.

Daten zu erheben, zu speichern und zu verarbeiten, kostet heute nicht mehr so viel. Eigentlich müssten Unternehmen überhaupt nicht überlegen, ob Sie auf Big Data setzen?

Im industriellen Umfeld kann man sich das Sammeln von Big Data mittlerweile leisten. Dort sind wir bestrebt, in allen Bereichen, in denen wir Daten aufzeichnen, sie so lange wie möglich aufzuheben. Mittlerweile gibt es die unglaublichsten Daten-Kombinationen, die zu Problemlösungen führen können. Künstliche Intelligenz ist beispielsweise in der Lage, nur auf Basis von Daten den kommenden Stillstand eines Motors oder einer Maschine vorhersagen, lange bevor Ingenieurslösungen warnen würden. Was wir aber noch nicht können, ist zu sagen, warum es zu diesen Stillständen kommen wird, die künstliche Intelligenz kann ihre Schlüsse nicht erklären.

Und gerade das ist das zentrale Problem. Bei uns verhält es sich so, dass wir unsere Ingenieure Jahre lang ausbilden. Sie können dann nach bestem Wissen, Gewissen und Lehrbuch Maschinen konstruieren, dabei kreativ sein, und großartige Dinge bauen. Und dann kommen wir mit Data Analytics und weisen im Nachhinein nach, dass es durch irgendeine wirre Kombination an Signalen möglich ist, einen Stillstand viel früher nachzuweisen. Unsere Ingenieurskunst mit datengetriebenem Wissen zu verbinden, wird ein interessanter Brückenschlag werden, der unbedingt notwendig ist. Das ist ein Thema, das uns momentan stark beschäftigt. Wir versuchen auch in Klein- und Mittelbetrieben, KI-Methoden so aufzubauen, dass sie auch erklären, warum sie aus bestimmten Daten gewisse Schlüsse ziehen.

Wie lautet Ihre Conclusio zum heutigen Thema?

Egal wo Sie im Wirtschafts- oder Privatleben stehen, wir leben gerade – was KI betrifft – in einer spannenden Zeit. Wir haben die kritische Masse erreicht, bei der genügende Daten und gut erforschte Algorithmen vorhanden sind, um Künstliche Intelligenz auf immer höhere Ebenen zu heben. Außerdem ist die Hardware spottbillig. Sie können auf ihrem Handy zum Beispiel ein tiefes neuronales Netz trainieren – wie man das macht lernen Sie im Internet, ohne dafür eine fundierte technische Ausbildung zu benötigen. KI wird zum Hilfsmittel, das in allen Lebensbereichen neue Möglichkeiten eröffnet. 

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