European Big Data Value Forum: Wie KI unsere Welt fundamental verändern wird

Von 12. bis 14. November war das European Big Data Value Forum Hotspot für Forscher, Politiker und Geschäftsleute, die für Daten, Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz brennen. Auch viele Experten des Know-Centers gaben im Austria Centre Vienna ihre Expertise weiter.

Was sind die größten Challenges der datengetriebenen Künstlichen Intelligenz für Europa? Wie geht die EU-Politik mit diesen Herausforderungen und Chancen strategisch um? Oder: Wie könnte es unserem Kontinent doch noch gelingen, mit den Techno-Mächten USA und China KI-mäßig Schritt zu halten? Diese Fragen wurden bei der jüngsten Ausgabe des European Big Data Value Forum (EBDVF) von Forschern, Ökonomen und Politikern ebenso aufgegriffen wie die Themen Big Data in smarten Fabriken und der Gesundheitspflege, das Verankern von Maschinellem Lernen in der Unternehmensstrategie und Ansätze für einen ethisch verantwortlichen Weg im neuen Zeitalter der Artificial Intelligence.

Mehr als 600 Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft – darunter viele Forscher vom Know-Center – trafen sich dabei konkret mit politischen Entscheidungsträgern der Europäischen Kommission und der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft in Wien, um sich mit diesen zukunftsträchtigen Themen in Keynote-Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops auseinanderzusetzen. Das Ergebnis: Das EBDVF 2018 hat die mittlerweile große Big-Data-Community in Europa mit der Vernetzung von Politik, Industrie und Forschungseinrichtungen um viele ausgetauschte Ideen, interessante Diskussionen und lehrreiche Vorträge bereichert. Das Forum diente außerdem als wichtige Plattform für die  Konsensbildung zwischen europäischen und nationalen Interessengruppen in den Bereichen Smart Economy und Artificial Intelligence und gab Besuchern aus fast 40 Ländern die Chance, Möglichkeiten für gemeinsame Projekte auszuloten. 

Die beiden General Chairs des European Big Data Value Forum '18, Laure Le Bars und Stefanie Lindstaedt bei der Eröffnung. ©BKA/Christopher Dunker

In Dateninfrastruktur investieren

„Big Data ist die Basis. Gemeinsam mit verchiedenen KI-Komponenten können Datenberge Firmen helfen, echten unternehmerischen Mehrwert zu schaffen“, sagte Know-Center-CEO und EBDV-General-Chair Stefanie Lindstaedt. In Österreich habe man allerdings noch zu wenig begriffen, dass man anfallende Daten im Betrieb eines Unternehmens als eigenen Wert begreifen könne und daher in die Dateninfrastruktur investieren müsse. „Damit könnte man ganz neue Dinge machen“, so Lindstaedt, die außerdem davon überzeugt ist, dass sich Betriebe viel stärker über Plattformen miteinander vernetzen müssten.

Denn über die Interaktion mit einem großen Netzwerk an Akteuren könne man völlig neue Arten der Wertschöpfung erschließen. Lindstaedt, die seit Kurzem auch dem wissenschaftlichen Beirat der von der Bundesregierung eingerichteten Digitalisierungsagentur (DIA) vorsteht, über die Angst vieler Arbeitnehmer, schon bald durch Maschinen ersetzt werden zu können: „Die Anforderungen an Menschen an solchen Arbeitsplätzen werden natürlich höher.“

Data Scientists gesucht

Andererseits könne auch mehr Zeit in kreative Arbeit investiert werden, wenn Künstliche Intelligenzen immer mehr Routinearbeiten übernehmen. Umso wichtiger sei es, verstärkt Datenwissenschafter und KI-Experten auszubilden. Die Ausbildungen sollten aber mit anderen Disziplinen wie Sozialwissenschaften, Psychologie oder Wirtschaft verschränkt werden – wie etwa in einem aktuellen, gemeinsamen Studiengang der Universität Graz und der TU Graz und der interdisziplinären Data-Science Ausbildung am Know-Center.

Im Großen und Ganzen werde Künstliche Intelligenz immer wichtiger, um große Firmen, aber auch KMU zukunftsfit zu machen. Als eines der führenden Forschungszentren in Europa unterstützt das Know-Center Firmen deshalb auch dabei, Künstliche Intelligenz in den Unternehmensalltag zu implementieren. 

Mark Shuttleworth, Ubuntu-Gründer und erster afrikanischer Weltraumtourist, lieferte in der Panel Discussion spannende Inputs. ©BKA/Christopher Dunker

Schnellere Innovation durch Open Source

Wenn es um KI und Big Data geht, sollte künftig der Open-Source-Gedanke eine größere Rolle spielen, stellte Mark Shuttleworth in seinem Keynote-Vortrag fest. Shuttleworth ist nicht nur der erste afrikanische Weltraumtourist, sondern ebenso Gründer des Open-Source-Betriebssystems Ubuntu. „AI ist eine tiefgreifend wichtige neue Technologie, die unsere Geschäftswelt und unsere Gesellschaft grundlegend verändern kann.

Es wäre gesünder, viele verschiedene Unternehmen und Organisationen zu haben, die mit AI-Software konkurrieren können, als einige wenige Global Player mit exklusivem Zugang zu dieser wertvollen Ressource“, sagt Shuttleworth. „Deshalb sollten wir AI in leicht bedienbare und sichere Open-Source-Komponenten integrieren, die jeder Forscher und jedes Unternehmen effizient anwenden kann.“ Nur so könne es gelingen, für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen und Innovationen drastisch zu beschleunigen.

The European Big Data Value Forum on 12 November 2018. Picturing Head Michael Wiesmüller (left) and Director of Data Gail Kent (center). Copyright BKA/Christopher Dunker

Big Data zur Qualitätssteigerung bei AVL List

Auch Georg List, Strategieentwickler des Antriebssystem-Herstellers AVL List erkennt das enorme Potential von Big Data, wenn er sagt: „Bei der Entwicklung moderner Antriebskonzepte fällt eine große Menge an Daten an. In der Auswertung und Rückführung der Erkenntnisse in den Entwicklungsprozess steckt erhebliches Potential zur weiteren Effizienz- und Qualitätssteigerung. Teilautonome oder Vollautonome Fahrzeuge produzieren derart enorme Datenvolumen, dass es ohne Big-Data-Technologien schlicht unmöglich wäre, diese Fahrzeuge zu entwickeln.“ List über das European Big Data Value Forum: „Es ist erfreulich zu sehen, wie lebendig die Big-Data-Community ist und wie gut die Vernetzung und Zusammenarbeit in ganz Europa funktioniert.“

EBDVF: Come Together des Organisationskomitees 2018. ©BKA/Christopher Dunker

Europas Chance liegt in digitalen Plattformen

Annabelle Gawer, Professorin für Digital Economy an der britischen University of Surrey, setzte sich in ihrer Keynote mit der Frage auseinander, wie Europa Facebook, Google und Co. Paroli bieten könnte. Sie betrachtet digitale Plattformen als große Hoffnungsträger für die europäische Wirtschaft. Gawer: „Sieben der zehn größten Unternehmen der Welt basieren auf digitalen Plattformen. Wir unterscheiden zwei Formen. Die einen sind Online-Marktplätze, die Transaktionen abwickeln, wie Ebay oder Uber. Die anderen sind Innovationsplattformen, wie Apple, die eine Basis liefern auf der andere Unternehmen neue Produkte und Services aufbauen.“

In Europa gebe es allerdings kein wirklich starkes Plattformunternehmen. Weil es von Land zu Land unterschiedliche Regulierungen gibt, sei es schwieriger eine Geschäftsidee auf ganz Europa auszuweiten. Was ist also zu tun? „Die große Chance ist, neue Formen der Wertschöpfung zu finden, die existierende Plattformen nicht bieten. Ein Bereich, wo es meiner Meinung nach Möglichkeiten gibt, hat mit dem Problem zu tun, dass vielen existierenden Plattformen wenig Vertrauen entgegengebracht wird. Was für die einen ein Problem ist, könnte für die anderen zur Chance werden. Wenn ein europäisches Unternehmen zeigt, dass es ähnlich wertvolle Dienste leistet, aber vertauenswürdiger ist, würde ich die Plattform wechseln.“

Ein weiteres Highlight des Forums: Beim Social Dinner im Palais Lichtenstein wurden die Gewinner der diesjährigen Know-Center Data Science Challenge von Stefanie Lindstaedt geehrt. (Video)

Neben Keynote-Vorträgen waren Podiumsdiskussionen ein spannender Bestandteil des EBDVF '18. ©BKA/Ines Bind

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