Erste große Studie ihrer Art zeigt: 60 Prozent der Wissenschaftscommunity befürworten Open Peer Reviews

Für das EU-Projekt OpenAIRE2020 hat Open-Science-Forscher und Know-Center-Mitarbeiter Dr. Tony Ross-Hellauer eine Studie zum Thema Open Peer Review durchgeführt, deren Ergebnisse nun veröffentlicht wurden.

Wer forscht, muss in Fachzeitschriften publizieren – und wird von seinen Kollegen streng kontrolliert. Denn bevor ein wissenschaftlicher Artikel veröffentlicht wird, entscheiden Gutachter (Peers) über die Qualität der Forschungsergebnisse. Und damit oft über internationale Karrieren. Bei der klassischen Peer-Review-Kontrolle – so die Kritiker – komme es immer wieder zu erheblichen Problemen. Die Gutachter bleiben anonym, Gutachten werden nicht veröffentlicht. Durch die eingeschränkte Transparenz könne es leicht zu unfairen Beurteilungen kommen. Deshalb setzen sich in der Forschungswelt sogenannte Open Peer Reviews immer stärker durch. Die Vorteile liegen auf der Hand. “Peer Reviews sind unsere wichtigste Methode der wissenschaftlichen Qualitätskontrolle”, sagt Open-Science-Forscher und Know-Center-Mitarbeiter Dr. Tony Ross-Hellauer. “Deshalb sollten sie kein Schattendasein führen. Innovationen wie das Veröffentlichen der Gutachter-Namen und das Publizieren von Gutachten sind wichtige Maßnahmen, um den Reviewprozess transparenter zu gestalten. Und um ihn glaubhafter zu machen. Dadurch soll die Qualität und Fairness von Gutachten erhöht werden.

Dass ein Großteil der Wissenschaftscommunity Open Peer Reviews befürwortet, zeigt die erste große Studie, die sich mit diesem Thema beschäftigt und die Tony Ross-Hellauer für das Projekt OpenAIRE2020 geleitet hat. Am 13. Dezember 2017 wird sie von der Open-Access-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen: 60,3 Prozent von 3.062 Befragten, die in der Wissenschaft arbeiten, finden, dass Open Peer Reviews im Mainstream der wissenschaftlichen Praxis verankert werden sollten. Durchwegs positiv war auch die Einstellung der Umfrage-Teilnehmer zu anderen Bereichen von Open Science. 88,2 Prozent sprachen sich für Open Access aus, sprich: für den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur. Immerhin 80,3 Prozent stehen Open Data positiv gegenüber – Daten also, die ohne Einschränkungen genutzt, weiterverbreitet und weiterverwendet werden dürfen.

Außerdem zeigt die Umfrage einen starken Zuspruch für die meisten Ziele auf, die Open Peer Reviews verfolgen. Ross-Hellauer: „Für Maßnahmen wie den persönlichen Austausch zwischen Gutachtern und Autoren, das Publizieren von Gutachten, aber auch das „Crowdsourcing“ von Reviews gab es eine starke Zustimmung. Dem Veröffentlichen von Gutachter-Namen steht die Mehrheit der Befragten aber kritisch gegenüber.“

Die Umfrage legt auch nahe, dass die Zufriedenheit mit gängigen Peer-Review-Methoden, auf die Fachjournale setzen, stark von den jeweiligen Forschungsfachrichtungen abhängt, in denen die Befragten arbeiten. Dr. Birgit Schmidt, Open Science Projektkoordinatorin an der Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und Mitautorin der Studie, betont: „Diese Ergebnisse sind sehr positiv für die Aussichten von Open Peer Review, sich in den Mainstream zu bewegen, zeigen aber, dass keine Einheitslösung wünschenswert ist. Man muss darauf achten, die Positionen verschiedener wissenschaftlicher Communities zu berücksichtigen“.

Das Manuskript steht hier zum Download zur Verfügung.

Reference: Ross-Hellauer, T., Deppe, A. & Schmidt, B. (2017). Survey on Open Peer Review: Attitudes and experience amongst editors, authors and reviewers. PLOS ONE. doi: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0189311

 

Rückfragehinweis:

Dr. Tony Ross-Hellauer

Senior Researcher (Open Science)

Know-Center GmbH

Inffeldgasse 13, 6th floor, 8010 Graz, Austria

Phone +43-316-873-32800 Fax +43-316-873-1030815

tross@know-center.at

 

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