Wohin uns die Big-Data-Reise wirklich führt

Dass Fragen wie „Lässt sich durch Big Data unternehmerischer Mehrwert schaffen?“ oder „Wie gewährleistet man Datensicherheit im Internet der Dinge?“ brandaktuell sind, bestätigten 150 Gäste aus Industrie und Forschung, die das Data-driven Future Forum besucht hatten. Die ExpertInnen vom Know-Center und der TU Graz gingen aber auch auf viele andere spannende Themen ein.

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Die Digitalisierung schreitet voran, smarte Fabriken, das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz sind zur Realität geworden“, sagte Stefanie Lindstaedt, Leiterin des Know-Centers und des Instituts für Interactive Systems and Data Science an der TU Graz, beim Data-driven Future Forum. „Kein Unternehmen kann sich dem entziehen, aber jedes Unternehmen kann die damit verbundenen Chancen nutzen.“ Und genau hier kommt das Know-Center ins Spiel: Es unterstützt Firmen dabei, datengetriebene Geschäftsmodelle zu entwickeln. Um einen Innovationsvorsprung sicherzustellen reagiert man auf kommende Trends und Entwicklungen. Das Forschungsspektrum wurde daher um drei neue Bereiche erweitert: Data Management, Data Security und Data-driven Business Models.

Ähnlich betrachtet Horst Bischof, Vizerektor für Forschung an der TU Graz und Eigentümervertreter des Know-Centers, das Phänomen. „Das Sammeln von Daten allein reicht nicht aus“, betonte er. „Erst wenn man sie richtig analysiert und verwertet, werden sie zu Gold für Unternehmen. Und dieses Gold muss unter anderem durch Methoden der Data Security und Kryptografie geschützt werden.“

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Matthias Böhm
Matthias Böhm

Neben Big Data und Künstliche Intelligenz ist Machine Learning das neue Buzzword des digitalen Zeitalters. Maschinelles Lernen, eine Technologie, mit der künstliche Systeme durch Beispiele lernen und so intelligenter werden, hat sich zum neuen potenziellen Milliardengeschäft entwickelt und steht heute ganz weit oben auf der Agenda vieler Unternehmen. Das Verwalten der dafür genutzten Daten stellt allerdings eine enorme Herausforderung dar. Matthias Böhm veranschaulichte diese Challenges nicht nur mit Beispielen, sondern gab auch einen Überblick über bestehende Systeme und Tools. Außerdem ging der neue BMVIT-Stiftungsprofessor und Know-Center-Forschungsbereichsleiter für Data Management auf die Skriptsprache SystemML ein und beschrieb sie als repräsentatives System für deklaratives maschinelles Lernen.

STEFAN MANGARD

Die neue Area „Data Security“ bezeichnete IT-Sicherheitsexperte Stefan Mangard als „Querschnittsbereich“, der sich durch alle Forschungsthemen des Know-Centers ziehe – und in dem es viele wichtige Fragen zu beantworten gelte, wie etwa: Wie lässt sich die Privatsphäre im Internet der Dinge sicherstellen? Wie kann man die Authentizität von Daten gewährleisten? Oder: Wie lässt sich mit dem Thema Datensicherheit unternehmerischer Mehrwert schaffen?

Vor allem das Internet of Things stelle sicherheitstechnisch eine enorme Herausforderung dar. Für Schlagzeilen sorgte 2016 etwa eine spektakuläre Cyber-Attacke durch die Internetriesen wie Twitter und Netflix lahmgelegt wurden. Das Besondere: Als Waffen wurden über eine Million internetfähiger Haushaltsgeräte eingesetzt. Stromzähler, Alarmanlagen, Kinderspielzeug – es gibt kaum etwas, das noch nicht mit dem Internet verbunden ist.

„Das Internet der Dinge bietet viele verschiedene Angriffsszenarien“, sagte Mangard. „Firmen können Kunden angreifen, indem sie aufgezeichnete Daten missbrauchen.“ Angriffe seien aber auch in die andere Richtung möglich. Wenn ein Entwickler eine Software schreibt, die kopiert wird, weil sie nicht gut abgesichert wurde, können „Millionen durch die Lappen gehen“. Das Internet der Dinge als Security-Alptraum? „Für uns ist es vielmehr eine Herausforderung“, erklärte Mangard. „Und ein Forschungsbereich in dem großes Potenzial für neue Kooperationen mit Unternehmen steckt.“ Mit Industriepartnern arbeitet das Know-Center bereits heute daran, das Zugriffsmanagement in der Cloud zu verbessern.

STEFAN MANGARD
MARIA EICHLSEDER
MARIA EICHLSEDER

Mit Kryptografie, der hohen Mathematik hinter Sicherheitsanwendungen also, beschäftigt sich Maria Eichlseder vom Institut für Angewandte Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie an der TU Graz. Als Anwendungsbeispiel für Kryptografie nannte die Expertin Smart Meter. „Über den Stromverbrauch“, so Eichlseder, „lassen sich viele sensible Informationen über die Bewohner eines Hauses errechnen. Bewohner haben daher ein berechtigtes Interesse am Schutz ihrer Daten.“ Dem Stromanbieter hingegen helfe es, wenn er weiß, wann die Bewohner Strom verbrauchen und wann es zu Spitzen kommt, um sich gegen Ausfälle abzusichern. „Kryptografische Verfahren bieten die Möglichkeit, dass Kunden ihre Daten nicht im Detail preisgeben müssen, der Stromanbieter aber trotzdem herauslesen kann, was er braucht. Ihn interessiert nur die Funktion der Daten.“

Ein anderes brisantes Thema ist die Datensicherheit im künftigen Zeitalter der Quantencomputer. Diese Hochleistungs-Computer rechnen nicht mit Bits, sondern mit sogenannten Qbits, die zwei Zustände zur gleichen Zeit annehmen können. Eine „Superposition“ die es möglich macht, bestimmte Berechnungen parallel anzustellen. Dadurch arbeiten Quantencomputer erheblich schneller. „Für die Kryptografie sind das schlechte Nachrichten“, sagte Eichlseder. „Denn Quantencomputer können Algorithmen viel besser knacken, als klassische Computer.“ Experten gehen zwar davon aus, dass sich diese neuen Super-Rechner erst in zehn, 20 Jahren richtig durchsetzen werden. „Trotzdem müssen wir jetzt schon damit beginnen, sichere kryptografische Verfahren zu entwickeln.“  Das Ziel: „Bis 2024 wollen wir ein standardisiertes Verfahren entwickeln, das unsere Daten zuverlässig schützt.“

GERT BREITFUSS

Unternehmen wollen hinsichtlich Big Data vor allem wissen, wie sich durch das Interpretieren von Datenbergen unternehmerischer Mehrwert schaffen lässt. Um das für jeden Einzelfall herauszufinden schlägt Gert Breitfuss, Senior Researcher am Know-Center, vor, „systematisch einige zentrale Fragen zu beantworten“. Dazu zählen: Welche Daten will ich nutzen und wo bekomme ich sie her? Wie verarbeite ich Daten und wie lassen sie sich monätarisieren? Und schließlich: Wieviel ist der Kunde bereit, für mein Service zu bezahlen? Für zahlreiche Unternehmen sei es aber gar nicht so leicht, Antworten auf diese Fragen zu finden, weil die notwendigen Ressourcen fehlen. „Hier kommt das Know-Center ins Spiel“, sagte Breitfuss. „Wir arbeiten mit Unternehmen an Methoden und Tools, um aus Daten den bestmöglichen Nutzen zu generieren.“ Breitfuss weiter: „In Big Data steckt enormes Potenzial. Wir versuchen, Firmen zu motivieren, es noch stärker auszuschöpfen.“

GERT BREITFUSS

 

 

(c) Know-Center
Fotografin: Daniela Jakob

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